Im Gespräch mit Renate Holznagel

22.02.2019

Seit Bestehen des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte arbeitet Renate Holznagel mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Rechnungsprüfungsausschuss des Kreistags, dessen Vorsitzende sie über 7 Jahre war, in der Stille der Nichtöffentlichkeit. Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass sie nicht erneut kandidieren und somit nach der Kommunalwahl im Frühjahr aus dem Kreistag ausscheiden wird, wollen wir sie an dieser Stelle in das Licht der Öffentlichkeit stellen und den Besucherinnen und Besuchern dieser Seiten näher vorstellen.

Frau Holznagel, den meisten sind Sie vor allem als langjährige Vizepräsidentin des Landtags M-V bekannt. Ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement in den unterschiedlichsten Bereichen rückt dabei oftmals in den Hintergrund. Können Sie sich noch erinnern, welche Motivation Sie seinerzeit in die Kommunalpolitik führte?

Renate Holznagel: Dass ergab sich im Wesentlichen durch mein Engagement im Zuge der Friedlichen Revolution. Bereits vor der Wende war ich sehr aktiv in unserer Kirchgemeinde. Während der turbulenten Monate, die schlussendlich zu der von uns ersehnten Demokratie in deutscher Einheit führten, wurde ich im Januar 1990 mit großer Mehrheit zur Kreisvorsitzenden der CDU gewählt. Ich war damals bereits seit vielen Jahren Mitglied unserer Partei. Der Eintritt in den CDU-Ortsverein Loitz, den meine Eltern kurz nach dem Krieg mitgegründet hatten, rettete mich 1970 vor der Zwangsexmatrikulation. Nicht zuletzt der überwältigende Wahlsieg der von der CDU geführten „Allianz für Deutschland“ bei der Volkskammerwahl im Frühjahr 1990 machte die CDU dann über Nacht zum politischen Player auch auf kommunaler Ebene. Bei der anschließenden Kommunalwahl am 06.05.1990 konnte die CDU im Kreis Demmin mit 56 % die absolute Mehrheit einfahren. Ich wurde Fraktionsvorsitzende und habe bereits damals im Rechnungsprüfungsausschuss mitgewirkt. Die Aufgaben, die vor uns lagen, waren immens und heute nur noch schwer vorstellbar: die Umwandlung des Rates des Kreises in eine nach demokratischen und rechtstaatlichen Prinzipien arbeitende Kreisverwaltung, Ämter neu besetzen, Stasi-Mitarbeiter enttarnen und Menschen begeistern, sich einzubringen. Getragen von einem unglaublichen Glücksgefühl und viel Gottvertrauen haben wir diese Aufgabe angenommen.

Fast 30 Jahre kommunalpolitisches Engagement – welche persönlichen Erfahrungen haben Sie in all den Jahren gesammelt? Was hat Ihnen am meisten Freude bereitet?

Renate Holznagel: Es war immer etwas ganz Besonderes mitzuerleben, wie wir nach jeder Wahl als Fraktion zusammengewachsen sind. Vor allem nach der Kreisgebietsreform 2011 war das ja keine Selbstverständlichkeit. Und dennoch ist es uns gelungen, unbeirrt die Gemeinsamkeiten zu suchen und nach konstruktiven Diskussionen innerhalb der Fraktion anschließend im Kreistag geschlossen zusammenzustehen. Besonders in Erinnerung wird mir auch bleiben, dass es uns angesichts schwieriger Rahmenbedingungen in den zurückliegenden Jahren immer besser gelungen ist, Schwerpunkte zu setzen, so z.B. im Bereich der Haushaltskonsolidierung. Besonders stolz war ich, dass die Kolleginnen und Kollegen des von mir geführten Rechnungsprüfungsausschusses einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben, in dem wir als erster Landkreis landesweit die geprüften Jahresabschlüsse von 2012 bis 2017 termingerecht eingebracht haben. Auch dem Rechnungsprüfungsamt gilt hierfür mein besonderer Dank.

Für die anstehende Kommunalwahl kandidieren auch zahlreiche junge Leute, die sich das erste Mal um ein kommunalpolitisches Mandat bewerben. Was würden Sie ihnen mit auf den Weg geben? Renate Holznagel: Besonders wichtig war es mir immer, mit den Menschen vor Ort durch regelmäßige Gespräche Kontakt zu halten, ihre Probleme ernst zu nehmen und diese dann in die Fraktions- bzw. Kreistagsarbeit einzubringen. Die im letzten Jahr erreichte Lösung in der Schülerbeförderung beispielsweise hat gezeigt, wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit im Kreistag ist und dass es sich lohnt, am Ball zu bleiben. Als Kommunalpolitiker müssen wir alle auf die Bürgerinnen und Bürger zugehen und zuhören. Das ist der erste Schritt. Den neuen Kreistagsmitgliedern wünsche ich vor allem Begeisterung, Freude an der ehrenamtlichen Arbeit sowie Durchhaltevermögen bei schwierigen Herausforderungen.

Eine abschließende Frage zu Ihren Zukunftsplänen. Was haben Sie auf dem Schirm?

Renate Holznagel: Seit einiger Zeit gehöre ich als Vizepräsidentin dem Präsidium des Bundes der Vertriebenen an. Das Erinnern an Flucht und Vertreibung und die Verantwortung, dieses Andenken an die kommenden Generationen weiterzugeben, ist mir sehr wichtig. Da die Erlebnisgeneration aber immer älter wird und aus diesem Grund zunehmend aus dem Ehrenamt ausscheidet, möchte ich mich hier künftig noch stärker einbringen. Und das private Vergnügen darf natürlich auch nicht hintenanstehen. Ich bin leidenschaftliche Posaunenbläserin. Derzeit laufen die Proben unserer UHUs, der Bläsergemeinschaft des Posaunenwerks M-V, für das Bundesposaunenfest am 3.-5. Mai in Neubrandenburg auf Hochtouren. Ich würde mich freuen, den Einen oder die Andere bei unseren Auftritten im Jahnsportforum wiederzusehen.

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